14.2.26
Neulich habe ich wieder gelesen, dass OpenSim angeblich eine Art virtuelles Altersheim sei. Ja, der Altersdurchschnitt ist hier vermutlich höher als anderswo – aber das war gar nicht der Kern der Aussage. Gemeint war vielmehr, uns als eine altersstarrsinnige, verknöcherte und womöglich sogar senile Gemeinschaft darzustellen. Ich musste darüber herzlich lachen.
Interessanterweise hat mich das Thema „Alter“ heute dann ganz real eingeholt.
Ich habe beim Getränkehändler meines Vertrauens Pfandflaschen abgegeben. Ich stehe vor den Paletten, als der Verkäufer sagt: „Die Flaschen kommen hier auf diese Palette.“ Ich drehe mich um und schaue ihn an. Daraufhin ergänzt er: „Nicht Sie, ich meine die junge Frau.“ Ich schaue ihn einen Moment länger an, und er korrigiert sich hastig: „Ich meine die andere junge Frau.“ Natürlich habe ich ihn dafür gelobt *g.
Innen alterslos, außen sichtbar älter
Innerlich fühle ich mich alterslos. Wobei – ganz stimmt das nicht. Ich empfinde mich eher als ein Alters-Gesamtpaket: Kindheit, Jugend, Erwachsensein – alles da, alles gleichzeitig. Die Anzahl der Jahre ist dabei ziemlich nebensächlich.
Das ist wie beim Wandern: Die Kilometerzahl ist eine nette Information, sagt aber nichts darüber aus, ob man danach die Sanitäter braucht oder ob man noch locker eine Runde schwimmen geht.
Äußerlich bin ich natürlich keine 30 mehr. Das weiß ich. Und es ist mir nicht wichtig. Wichtig ist mir, wer ich bin.
Aber warum habe ich dann bei dem obigen Satz irritiert geschaut?
Ganz einfach: Ich war in diesem Trio eindeutig die Älteste. Und es ging mir nicht um Attraktivität. Es ging darum, dass ich das Gefühl habe, andere sind der Ansicht, alt sein hat gesellschaftlich wenig Wert.
Das ist der Punkt.
Was macht dann jemanden gesellschaftlich wertvoll?
Laut einigen lautstarken Politikerinnen und Politikern ist gesellschaftlich wertvoll, wer arbeitet. Diese Definition wird gerne dann hervorgeholt, wenn Arbeitskräftemangel herrscht – so wie jetzt. Früher traf das vor allem Hausfrauen, heute werden auch ältere Menschen mit einbezogen.
Nun kann man mit 70 schlicht nicht mehr acht Stunden lang bei Aldi palettenweise Ware in Regale schieben und dabei gesund bleiben. Ganz abgesehen davon haben wir Älteren genau das – und vieles mehr – über Jahrzehnte hinweg getan. Wir haben damit finanziert, was heute niemand missen möchte.
Kürzlich hörte ich unsere Wirtschaftsministerin sagen, es könne nicht sein, dass wir ein Drittel unseres Erwachsenenlebens „auf Kosten anderer“ im Ruhestand verbringen.
Aha. Nun sind wir also nicht nur gesellschaftlich wertlos, sondern gleich auch noch Schmarotzer. Das ist die Botschaft.
Besonders „witzig“ wird es, wenn solche Sätze von Menschen kommen, deren Ausbildung von genau diesen Rentnern finanziert wurde oder die – wie in diesem Fall – selbst vom Solidaritätszuschlag profitiert haben.
Warum ich mir den Schuh nicht anziehe
Ganz einfach: Er passt nicht. Er soll vielmehr verdecken, was die Politik in den letzten 60 Jahren versäumt hat. Aber es macht mir Sorgen, was solche Aussagen in den Köpfen anderer anrichten.
Ich gehe nicht mehr arbeiten, mein Geld kommt vom Staat. Aber ich bekomme es nicht für heutige Leistungen, sondern weil ich es mir durch jahrzehntelange Arbeit erarbeitet habe. Und was mache ich mit diesem Geld? Ich lege es unters Kopfkissen und zähle es jeden Abend? Natürlich nicht. Ich gebe es aus – und damit fließt es direkt zurück in die Wirtschaft. So werden Arbeit, Brot und Löhne gesichert. Nebenbei zahle ich weiterhin Steuern sowie Kranken- und Pflegeversicherung. Und wenn ich irgendwann Pflege brauche, werden Pension und Eigentum dafür aufgebraucht.
Und OpenSim als Altersheim?
Habe ich aber nun ein Problem Mitglied des „Altersheimes opensim“ zu sein?
Nein, im Gegenteil.
Ich genieße es, mit Menschen in meiner Altersspanne auf der Basis des gemeinsamen Hobbys Kontakt zu haben. So etwas genießen doch alle, ob im Schützenverein oder im Chor, ob nun 25 oder 65. Das ist normal für aktive Menschen.
Wenn sich jemand in einer Gruppe nicht wohlfühlt, dann liegt das nicht an der Gruppe, sondern an einem selbst. Die Gruppe passt nicht zu einem. Also sucht man weiter. So macht man das….