18.2.26
Schon seit langer Zeit stört mich die Datensammelwut, die in Teilen der Opensim‑Community herrscht. Besonders deutlich wurde mir das wieder, als mir jemand in einem Disput eine zwei Jahre alte IM von mir präsentierte. Ja, wir alle können IMs speichern – Firestorm macht das leicht. Aber die Frage ist: Warum tut man das? Was sagt es über jemanden aus, wenn er/sie über Jahre hinweg private Nachrichten hortet? Die Antwort überlasse ich euch.
Was mich zusätzlich irritiert: Ich wurde nie gefragt, ob ich der Speicherung zustimme. Rechtlich ist das sicherlich auch nicht ganz ohne.
Wer sich auf einem Grid anmeldet, gibt automatisch sensible Daten preis wie z.B IP und E‑Mail-Adresse. Falls man für eine sim bezahlt, kommen Informationen wie realer Name und Bankdaten dazu. Als Gridowner hat man zudem Zugang zu OARs, IARs, einige Manager geben sogar preis, welche Grids ein Einwohner besucht oder wie viele Aliase existieren.
Eine Anmeldung in einem Grid ist daher immer eine Frage des Vertrauens. Mein Rat: Überlegt euch gut, wem ihr dieses Vertrauen schenkt. Und wenn ihr geht, besteht auf die Löschung eurer Daten. Ob das wirklich geschieht? Kontrollieren könnt ihr es nicht. Uns muss bewusst sein: In Opensim ist vieles unsicher – das gilt übrigens auch für Second Life, nur dass die Gruppe dort größer und damit weniger überschaubar ist.
Darum mein Appell: Lernen wir uns kennen. Beweisen wir uns gegenseitig, dass wir nicht alles tun, was technisch möglich wäre. Zeigen wir Anstand und Respekt!
Der Blick darüber hinaus: Wie gläsern sind wir im Web wirklich?
Ich erinnere mich noch gut an die Diskussionen über den gläsernen Kunden. Man warnte davor, mit EC‑Karte zu bezahlen, weil Händler dadurch erfahren könnten, wie oft wir dort einkaufen und wie viel wir ausgeben. Payback‑Karten böten sogar Einblick darin, wann wir was kaufen.
Damals dachte ich: „So viele Daten können die doch gar nicht verarbeiten!“ Und ich verstand auch nicht, was man mit diesen Mengen an Informationen anfangen wollte. In Wahrheit aber war der große Plan längst geschmiedet, Programmierer waren fleißig am Werk – und schon bald entstanden über jeden von uns detaillierte Profile.
Dass wir heute Angebote und Gutscheine bekommen, die wir gerade jetzt gebrauchen könnten, ist kein Zufall. Dabei gehören laut Art. 8 EMRK und Art. 7 der EU‑Grundrechtecharta unsere Privatsphäre und unser Privatleben zu den Grundrechten. Und doch wird geschnüffelt, was das Zeug hält.
Und ja – ich habe selbst zugestimmt. Für ein Messerset, 30 % auf Joghurt oder sonstige Kleinigkeiten habe ich dieses Grundrecht praktisch verkauft. Dazu kommt die permanente Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Wahrscheinlich existiert irgendwo schon ein episch langer Spielfilm über meine Einkäufe
Was uns früher aufregte, ist heute ein Witz
Das, worüber wir uns damals empörten, ist heute nur ein winziges Detail. Wir suchen im Internet, wir fragen KI, wir posten bei Facebook – und jedes Mal füttern wir Datensammler.
Sobald wir den PC anschalten, sind wir faktisch geliefert. Aber: Wir haben stets zugestimmt. Andernfalls bekommen wir viele Dienste gar nicht erst. Ob das nicht schon in Richtung Nötigung geht? Heute ohne digitale Medien zu leben ist nahezu unmöglich.
Der folgende Artikel lässt selbst mich als sonst eher entspanntes „Lämmchen“ schlucken:
https://www.n-tv.de/politik/Gibt-also-geheime-Feindesliste-US-Regierung-sammelt-Personendaten-von-Abschiebekritikern-id30369984.html
Dass autoritäre Staaten so etwas tun, überrascht nicht. Aber eine Demokratie, die Jahrzehnte lang für Freiheit stand? Das ist erschreckend.
Wer besitzt eigentlich unsere Daten?
Ich fragte spaßeshalber mal eine KI, welche amerikanischen Dienste ich nutze. Die Antwort war ernüchternd:
- Facebook, Messenger, WhatsApp
- YouTube
- Discord
- Microsoft Copilot
Und das war nur ein Ausschnitt von mir persönlich. Du hast sicher noch mehr zu bieten.
Meta Platforms (Facebook, Messenger, WhatsApp) ist zu 60 % in der Hand von Zuckerberg, der der amerikanischen Regierung recht nahesteht. Zu Google gehört u.a. YouTube, Android, Chrome und Gmail. Das sind gigantische Player, die alle Hebel in der Hand haben und geschäftlich wie politisch bestens vernetzt sind. Ich will ja nichts unterstellen, aber unter Geschäftpartnern und Freunden ist vielleicht die eine oder andere Gefälligkeit möglich.
Zwei Dinge zeigen sich eindeutig:
- Die extreme Konzentration digitaler Macht.
- Die dominierende Stellung US‑amerikanischer Anbieter in Europa.
Zeit umzudenken: Europäische Alternativen gibt es!
Hat denn Europa nichts zu bieten? Doch!
Wir müssen das Rad nicht neu erfinden – viele Alternativen existieren bereits:
Suchmaschinen
- https://www.startpage.com/
- https://www.torproject.org/
Browser
- Vivaldi (Norwegen)
- Opera (Norwegen)
- Mullvad Browser (Schweden)
- Ecosia Browser (Deutschland)
Soziale Netzwerke
- Mastodon (dezentral, föderiert – sehr spannend!)
Messenger
- Threema (Schweiz, datenschutzfreundlich)
Leider zeigt sich: Die großen Plattformen sind bequem – und viele nutzen Alternativen nicht. Ich habe z. B. Threema, aber nur zwei Kontakte. Mastodon ist großartig, aber auch dort kenne ich kaum jemanden.
Und genau deshalb schreibe ich diesen Artikel:
Wenn mehr von uns umsteigen, wenn wir Alternativen stärken, dann wird es auch eine europäische Lösung geben, die nachhaltiger, sicherer und unabhängiger ist.